Das JAWA-Baukonzept
Die WasserstadtbewohnerInnen
Kinder, Junge und Alte, Frauen und Männer, Familien,
Paare, Alleinerziehende und Singles, Menschen unterschiedlicher ethnischer und
kultureller Herkunft, niedrige und hohe Einkommen - allen gemeinsam ist wenigstens
die praktische Anschauung, dass wir die Erde nur von unseren Kindern geborgt
haben. Alle streben nach einer behaglichen und modernen Stadtwohnung in einer
sie fördernden bebauten Umgebung im Grünen und am Wasser. Dort wird
geboren, sehr gerne gelebt und, wenn es so weit ist und man oder frau will,
wird dort auch gestorben.
Die selbst gewählte Baugemeinschaft Wasserstadt
Limmer
In der JAWA hat sich eine Baugemeinschaft von Frauen und Männern zusammengeschlossen,
die individuellen Wohnbedarf sozialverträglich und ökologisch angepasst
zu bezahlbaren Preisen auf dem ehemaligen Contigelände in der geplanten
Wasserstadt Limmer ermöglichen will. Deshalb wird auf einen Bauträger
verzichtet und auf Verträge untereinander gesetzt, die die Spekulation
mit den Eigentumswohnungen ebenso ausschließen wie sie eine Begrenzung
sonst typischer Baupreissteigerungen in der Ausführung einschließen.
Der städtebauliche Entwurf und die Planung der Wohnungen werden in einem
gemeinsamen Arbeitsprozess in direkter Zusammenarbeit aller
Beteiligten entwickelt.
Eine variable Struktur wird durch individuell gestaltete Wohnungsgrundrisse
ausgefüllt. Die gebaute Umgebung fördert den Einzelnen im Einklang
mit dem Ganzen.
Auf der Grundlage des gemeinsamen Strukturkonzeptes werden ggfs. verschiedene
Grundstücke mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung bebaut. Die einzelnen
Elemente des Konzeptes sollten unabhängig von einander umgesetzt werden
können. Dadurch wird eine flexible und ggfs. abschnittsweise Bebauung der
einzelnen Grundstücke ermöglicht.
Das städtebauliche Konzept
Städtebaulicher Ausgangspunkt der Planung ist der
Siegerentwurf für die Wasserstadt Limmer, der im Bereich Stockhardtweg/Ecke
Sackmannstraße im Umfang von bis zu 50 Wohneinheiten in zwei oder drei
Abschnitten von der Baugemeinschaft zum Leineverbindungskanal hin gestaltet
wird.
Die Wohnungen und Häuser
In den Gebäuden werden große Wohnungen für Familien mit
Kindern entstehen.
Ferner werden Wohnungen für Haushalte von Alleinstehenden, Paaren,
Senioren, Alleinerziehenden und Wohngemeinschaften gebaut.
Gemeinsames Ziel der Baugemeinschaftsmitglieder ist, dass sie die üblicherweise
gebauten Grenzen zwischen Wohnen, Nachbarschaft, Arbeiten, Freizeit und
Quartier
durchlässiger gestalten wollen, wozu zum Beispiel auch die Integration
von einigen Atelierwohnungen, die von KünstlerInnen errichtet werden,
gehören
könnte.
Die mögliche Nähe von Arbeiten und Wohnen
Immer mehr Arbeitsplätze verlagern sich von der
Produktion in den Dienstleistungsbereich. Und zunehmend mehr Dienstleistungen
könnten mit vernetzten EDV-Arbeitsplätzen erledigt werden, die auch
das Wohnen bereichern. Dadurch entvölkern sich während der üblichen
Arbeitszeit die Wohnstadtteile weniger, die Spitzen des Berufsverkehrs würden
gedämpft und die soziale Kontrolle im Wohnquartier würde tagsüber
besser. Für die arbeitende Bevölkerung brächte die Nähe
von Arbeiten und Wohnen flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeitszeit.
Dies bezieht sich sowohl auf die Verteilung der Arbeitszeit auf den Tag wie
auch die Verbesserung der Möglichkeiten von Teilzeitarbeit oder der Kombination
von Arbeit und Erziehung. Völlig ohne räumliche Trennung von Wohn-
und Arbeitsort droht die Abgrenzung aber zum Nachteil der Freizeit zu verschwimmen.
Deshalb könnte im Rahmen des Gesamtkonzeptes eine jeweils nach individuellem
Bedarf zu nutzende Office-Infrastruktur mit moderner IuK-Ausstattung
errichtet
werden, die vom Betreiber des Blockheizkraftwerkes (BKHW) unterhalten werden
könnte. Dieser könnte ebenfalls ein alle Wohnungen einbeziehendes
Intranet sowie kleine Gästezimmer mit einer gemeinsamen Teeküche
vorhalten, die in die Office-Infrastruktur integriert sind.
Auch ein größerer Gemeinschaftsraum könnte vom BHKW-Betreiber
für die private oder berufliche Nutzung vorgehalten werden.
Das ökologische Programm
Alle Gebäude werden im Niedrigenergiestandard mit
Bedarfslüftung oder als Passivhaus mit noch besserer Dämmung, Lüftung
mit Wärmerückgewinnung und Wärmepumpen gebaut. Ein Tandemkraftwerk
aus Blockheizkraftwerk und Fotovoltaikgenerator wird durch die rationelle Nutzung
der Primär- und Sonnenenergie sowohl in der gesamten Nachbarschaft die
Stickoxide deutlich reduzieren als auch die sonst bei der Energieerzeugung anfallenden
Treibhausgase um rund 75 Prozent vermindern.
Die Baustoffauswahl erfolgt nach ökologischen Kriterien. Das Regenwasser
wird z. T. genutzt und sonst auf den Grundstücken versickert. Die Rigolen
und Mulden sind Teil der Freiflächengestaltung. Auf Flächenversiegelungen
wird so weit wie möglich verzichtet. Dachbegrünung und Ersatzpflanzungen
kompensieren die unvermeidlichen Versiegelungen. Die Nachbarschaften
setzen ein Müllvermeidungs-
und Verwertungskonzept um. Über günstig gelegene Fahrradunterstellplätze
und Carsharing wird die PKW-Dichte reduziert.
Die Energie-Dienst-Leistung GmbH&Co.KG,
das Internet und die Kunst
Die Binsenweisheit, dass die architektonische Gestaltung
des Innen und Außen das Sozialverhalten beeinflusst, wird auch aus
Erhaltungsgründen
des Bauwerkes ernst genommen. Das Hauptmotiv ist jedoch die Einsicht, dass
die Kunst des Bauens und die Kunst am Bau die individuelle Entwicklung
der BewohnerInnen
fördert, was die Fantasie und die Initiative der Teilnehmenden an der
Baugemeinschaft beflügelt. Die nötigen sekundären Dienstleistungen
dazu könnten unter anderem von der von den Baugemeinschaftsmitgliedern
zu gründenden
Dienstleistungsgesellschaft, z.B. einer hauseigenen GmbH&Co.KG kommen.
Die Errichtung und der Betrieb der Energieinfrastruktur (BHKW
- evtl. alternativ Erdwärmenutzung, Fotovoltaikgenerator, Strom- und
Wärmeerzeugung sowie
deren Verteilung, Lüftung, Hausanschlüsse, Trinkwasser- und Gasversorgung,
Regenwasserbehandlung - evtl. Erdwärmenutzung) könnte ebenfalls
von dieser Dienstleistungsgesellschaft ökologisch, sozial, rationell
und wirtschaftlich besorgt werden. Die Gesellschaft könnte auch die
Gemeinschaftsflächen
bewirtschaften und die Office-Infrastuktur, das Intranet, die Sauna, die Waschmaschinen/Trockner
sowie die Gästezimmer und evtl. einen Multifunktionsraum, der zum Tanzen,
Feiern, für gymnastische Übungen, zum Meditieren und zur Vermietung
für derartige Veranstaltungen geeignet ist, vorhalten. Darüber
hinaus könnte sie der Stadt die Pflege halböffentlicher oder öffentlicher
Flächen anbieten.